Dienstag, 30. Juni 2009

Abgehauen

“Smith ist weg!”

Erschrocken sprangen Maureen Robinson und ihre Tochter Penny auf. Sie hatten vor dem Schiff Bodenproben eingesammelt.

“Was heißt ihr weg, Major?”, fragte Maureen irritiert nach.

Penelope beschloss, lieber den Mund zu halten und trank einen Schluck aus ihrem Wasservorrat. Es war heiß auf dem Planeten – die Klimatischen Verhältnisse schienen an einem späten Sommernachmittag stehengeblieben.

Major West zuckte mit den Schultern. “Wie ich es sage! Ich war grad in seinem Quartier und – es war leer!”

“Wie hat er die Schleuse aufbrechen können?”, fragte Maureen.

“Hat er nicht”, erklärte West. “Die Codierung war unbeschädigt. Nur – der Doktor ist fort!”

Beunruhigt griff Maureen nach ihrem Phaser. “Großartig!” Sie sah sich um, als erwarte sie, der Doktor würde aus dem Gebüsch springen.

Zugegeben, dachte Penny, das letzte Mal, als er flüchtete, hatte er sich in eine Riesenspinne mit Weltherrschaftsphantasien verwandelt! Wider ihrem Gefühl musste Penny grinsen.

Verwundert betrachtete Maureen ihre Tochter. “Penny?”

“Was?”, tat Penelope gleichgültig.

“Warum grinst Du? Weißt Du was über das Verschwinden des Doktors?” Erschrocken zog sie ihre Waffe. “Wo ist Will eigentlich?”

“Beruhigen Sie sich, Professor.”, erklang Dr. Smiths Stimme. West zog impulsiv seinen Phaser und sah erschrocken hoch. Über ihnen, auf dem letzten Hüllenvorsprung der Jupiter, stand Zachary Smith, sein T-Shirt nachlässig über die Schulter geworfen und schmunzelte zu ihnen hinunter. “Glauben Sie, ich entferne mich allzu weit von der Futterstelle?”

Penelopes fing an zu lachen und bekam einen Stubser von ihrer Mutter.

“Was zum Teufel machen Sie da, Smitty?”

“Nach was sieht denn aus, Donny?” Der Doktor strich sich über die blasse Brust. “Ich versuche, etwas Farbe zu bekommen.”

Maureen biss sich auf die Lippen, aber Penny begann, offen zu giggeln.

Dr. Smith zog obligatorisch eine Augenbraue hoch. “Hör auf zu kichern, Püppchen!”

“Ich kichere nicht-“ , warf Penelope ein. “Ich kichere nie!”

West deutete mit seiner Waffe auf Dr. Smith. “Für Sie hat es sich ausgekichert, Smith! Kommen sie da runter...”

Maureen seufzte. “Meine Güte, Major. Jeder Gefangene hat ein Recht auf Hofgang.”

West nickte. “Genau, Professor! Die Betonung liegt auf HOFgang!” Er warf einen raschen Blick auf Penelope.

“Und da ihre Tochter den Mistkerl anscheinend rausgelassen hat, darf sie ihn ins Arboretum bringen!”

Von oben her kam ein Aufzeufzen. “Natürlich, Major.”

Wieder angezogen, rutschte der Doktor den Schiffsrumpf hinunter. Don ignorierend, sprach er Maureen an: “Ich kann die Aufregung über mein Verschwinden verstehen, wenn man die vorherigen Ereignisse berücksichtigt, doch als Arzt – und Dr. Judith Robinson wird dies bestätigen – weiss ich um die Vorzüge des natürlichen Sonnenlichtes.” Er zupfte sein T-Shirt zurecht und besah kritisch seine Fingernägel. “Glauben Sie mir, Professor – sie möchten zu dem jetzigen, psychopathischen Arzt nicht noch einen, der zusätzlich depressiv ist!”

West trat näher. “War das etwa eine Drohung, Smith?”

Dr. Smith blies ein imaginäres Staubkorn von seinen Nagelmöndchen.

“Nein, Major. Ein gutgemeinter Rat von einem Mediziner zum anderen.” Ohne noch einmal seinen Blick zu heben, ging er ins Schiff. Penelope, die nicht wußte, was sie darauf sagen sollte, lief schweigend hinterher.



In der Kühle des Schiffes stoppte Zachary und drehte sich nach seinem Püppchen um.

“Na, wie hab ich das gemacht?”

Penny zog die Schultern hoch. “Etwas dick aufgetragen.”

Der Doktor schmunzelte. “Das ist leider nötig, um so einfache Gemüter, wie die des Majors zu erreichen.”

Penelope lächelte. “Komm,” ,sagte sie, “ lass uns das Arboretum bewundern.”

“Unser neuer Treffpunkt.” , sinnierte Zachary laut. “Und das ganz legal!”

Montag, 29. Juni 2009

so viele Sterne und nur einen Wunsch ...

Der Weckruf zum Morgendienst
draussen erwartet mich ein Planet, der eisig kalt ist
mal wieder richtig laufen können
anstatt auf einem Felsen rumzuhüpfen
ich kann machen was ich will
ich finde nicht heim

täglich ändere ich mein Outfit
färbe meine Haare
boykotiere Erlässe

Will im Mittelpunkt stehen und habe doch nicht meine Mitte gefunden
will eine Show abziehen und weiss nicht wohin
will nur nach Hause

Meine Freunde zurückgelassen
kein freundschaftliches Wort
dieses Leben ist nicht das, was ich mir erträumt habe
und ich finde nicht heraus

Will mein Ding machen ohne Barrieren
will ernst genommen werden von den anderen
will nur nach Hause

Aber was geschieht, wenn ich versuche, mich zu finden?
brauche ich dann einen Heimweg?
Wenn ich weiss, wer ich bin,
finde ich dann Heim?
Dann kann ich von meiner Mission nach Hause kommen
ins Schiff zurück.

Sonntag, 28. Juni 2009

Der Zauberer

Der Zauberer

“Es ist ganz einfach...”, begann Will. Doch schon als er die Worte aussprach, wurde ihm bewußt, daß seine Erklärung nicht verstanden werden würde. Für den Rest der Familie war das Dondasche Gesetz ein Buch mit sieben Siegel.
Alle Crewmitglieder hatten sich auf Will’s Bitte hin in der Kartographie versammelt, selbst Dr. Smith hatten sie mitgebracht.
Will zeigte auf die Sternensimulation.
“Die Daten, die Penny gesammelt hat...” Will sah, wie seine Schwester vor Ärger ihre Augenbrauen zusammenzog. Seit neusten wollte sie mit ihrem “richtigen” Namen angesprochen werden, sie sei ja kein Baby mehr!
“...die Aufzeichnungen, die Mum von den Planetenspaziergängen gemacht hat und der ständige Input des Roboters – Millionen und Milliarden von Bits – die Grenze der Schiffsdaten ist erreicht!” Er winkte ab. “Ihr wollt gar nicht wissen, was passieren wird!”
Sichtlich genervt trat sein Vater auf ihn zu. “Will, wir haben wirklich keine Zeit, deinen Hirngespinsten zu lauschen!”
Maureen packte ihren Mann am Arm und zog ihn zurück. “John, nicht!”
Will starrte wütend seine Vater an. “Wann wirst du lernen, mir zuzuhören?” Er wandte sich an den Rest der Crew. “Glaubt Ihr, ich sauge mir das aus den Fingern?! Es gibt Aufzeichnungen ähnlicher Fälle – auf unseren Datenbanken! Leider bin ich der Einzige, der sich an der Auswertung und Wartung Eurer gesammelten Daten kümmert.”
“Quatsch!”, fauchte Penny. “Glaubst Du, ich dreh hier nur Däumchen?”
“Keiner von uns macht das!”, warf Judy ein.
“Aber keiner von Ihnen zieht die Daten zusammen.”, murmelte Dr. Smith. Alle guckten ihn an. Smith runzelte die Stirn. “Keiner sieht das Gesamtbild – ausser William.”
“Sehr richtig, Dr. Smith!” Erleichterung machte sich in Will breit. “Wir müssen unbedingt aufräumen. Doppelte Daten löschen, nachsehen, ob es nicht doch unwichtige Daten gibt-“
“Aber nicht meine Musik!”, protestierte Penny.
Will rollte mit den Augen. Schwestern! “Ich dachte eher an die Missionsdaten.”, erklärte Will.
“Wiebitte?”, fragte John verblüfft nach. “Bist Du wahnsinnig?!”
“Ich glaube, DAS ist meine Aufgabe auf diesem Schiff.”, meldete sich der Doktor.
Judy konnte ihr kollegiales Grinsen nicht verbergen.
“Aber mal im Ernst, “ , sagte Smith, “wir sollten uns zusammensetzten und herausfinden, was mittlerweile das eigentliche Ziel dieser Mission ist – und davon ausgehend die Daten sortieren.”
“Und wenn die Auslastung zu stark ist? Was passiert dann, Will?”, wollte der Pilot Don wissen. “Fliegt uns dann das Schiff um die Ohren?”, witzelte er.
“Nicht ganz.”, sagte Will trocken. “Informationen wandeln sich wieder in Energie, doch es gibt nur ein kurzes auffunken dabei. Ein Miniurknall sozusagen.”
“Das hört sich nicht gut an.”, sagte der Doktor.
“Nein.”, gab Will ihm recht und versuchte, den spöttischen Tonfall des Doktors nachzuahmen. “Diese Zündung wird unsere gesamte Datenbank durchlaufen und alles “reinigen”, damit ein Vakuum entsteht.”
Erschüttert starrten ihn alle an.
“Um Platz für was zu machen?”, fragte seine Mutter nach, obwohl sie die Antwort schon zu ahnen schien.”
“Für einen neuen Kosmos.”

Donnerstag, 25. Juni 2009

Svarnetik

Aus dem Lexikon der Svarnetik = Stochastic Verification of Automatised Rules of Negative Enchantement

Professor Bwana Kubwa Donda “Die Entdeckung und Ausführung der MZIMU”

Obiit animus, natus est atomus!

Materie, Energie und Information sind die drei Formen der Masse. Sie können entsprechend den Gesetzen der Erhaltung ineinander übergehen. Materie verwandelt sich in Energie, Energie und Materie sind nötig zur Erzeigung von Information, und die Information kann wieder in sie übergehen, natürlich nicht irgendwie! Jenseites der kritischen Masse verschwindet sie wie weggeblasen. Das ist die Dondasche Barriere, die Grenze des Wissenzuwachses....

Mittwoch, 24. Juni 2009

Der Löwe

“Was soll ich tut, Maureen?” Professor John Robinson legte seine Hand kurz an den Ellenbogen seiner Frau, wie um sich zu vergewissern, dass sie ihm wirklich zuhörte.
Sie wandte sich von der Bioanzeige ab, an der sie grade arbeitete und runzelte die Stirn. John wußte genau, wie sehr sie es hasste, bei Nahrungsrecherchen gestört zu werden.
Sie öffnete den Mund, um ihren Mann zurechtzuweisen, doch er kam ihr zuvor.
“Nein, ehrlich, Maureen – sag es mir!” John raufte sich verzweifelt die Haare, bis sie wirr um seinen Kopf standen.
Ein Lächeln unterdrückend, fragte Maureen: “Was soll ich Dir raten? Du hast oft genug betont, dass Du der Missionsleiter bist.”
Sie streckte ihren Rücken und gönnte sich einen Schluck Wasser aus ihrer Tagesrationsflasche. “Denke daran, wie oft Du Dich mit Don in die Haare bekommen hast...”
John seufzte genervt. “Maureen! Das ist schon Monate her!”
“Woher willst Du das wissen, John? Wieviel Zeit wir hier schon verbracht haben, kann nicht mal Will uns sagen! Und seien wir mal ehrlich – unser Sohn ist der Einzige, der sich mit den Zeit-Raum-Verzerrungen auskennt, in denen wir herum fliegen!” Sie bemerkte, dass sie laut geworden war und stockte. Ihr Mann sah sie unverwandt an, als würde sie ein neues Kaninchen aus dem Hut zaubern, nachdem er das alte totgefahren hatte.
Da erkannte sie, das sie, seit sie sich verflogen hatten, Angst bekommen hatte. Nicht mehr nach Hause zu kommen, den Treibstoff der Jupiter zu verlieren, notzulanden, keine Nahrung finden, kein Wasser.... Und sie fand ihre Angst in den Augen ihres Mannes wieder.
“Wir müssen unsere Kräfte zusammenziehen und die Lösung gemeinsam finden.” , hörte sie ihren Mann sagen und fand, dass er wie sein Vater klang, der eine militärische Anweisung gab. Doch sie würde nicht so tief sinken, ihm das zu sagen...

Freitag, 19. Juni 2009

Die Vogelscheuche

Bin ich denn zu dämlich, um ein Raumschiff zu steuern? Dieser Gedanke ging nicht aus seinem Kopf. Don ging es wirklich über den Verstand. Seine Kampfeinsätze kamen wieder hoch, das jahrelange Flugtraining, die Akademie... Wie sollten diese Erfahrungen ihnen etwas nützen, wenn er es nicht mal schaffte, auf Kurs zu bleiben?
“Hey, Don!”
Major West zuckte über seine Logeintragungen zusammen. Judith hatte die Brücke betreten. Wie immer hielt sie ein leeres Wasserglas in den Händen – ihr Running Gag, der nach all der Zeit bestehen geblieben war. Nicht, das sie es sich noch leisten konnten, sich mit Wasser zu “erfrischen”! Doch der Gedanke an diese spezielle Nacht rang dem Major sogar jetzt noch ein Lächeln ab.
Judith trat näher und stellte das Glas neben ihm auf die Konsole ab.
“Erzähl mir, was passiert ist.”
Don schüttelte müde den Kopf. “Ich habe die Aufzeichnungen tausendmal durchgesehen, doch ich kann den Fehler nicht finden! Irgendwo zwischen Sternzeit B608070000 und B610071208 gab es eine minimale Kurzänderung, die schlußendlich dazu geführt hat, das wir siebzehn Stunden im Kreis geflogen sind – soweit man das in All so nennen kann.” Er schwieg betreten. Es war beschämend, sich vor der Frau, die man liebt, einen Fehler einzugestehen – doch es war besser, als Johns müdes Gesicht vor sich zu sehen.
Don sah Judy an und fragte sie direkt: “Ob dein Vater mir noch vertrauen wird?”
Judith zog die Augenbrauen hoch. “Glaubst Du, wegen eines Fehlers zweifelt er an Deiner Kompetens? Dann müßte er als erstes den Dienstgrad abgegen.” Sie lächelte aufmunternd und kraulte West den Nacken. “Soll ich Dir nicht Will hochschicken? Er giert danach, zu helfen.”
Don wollte verneinen, doch dann zögerte er. “Dein Bruder wird mir diesen Fehler wohl am wenigsten ankreiden, oder?”
“Er ist ein Kind – smart, aber dennoch ein kleiner Junge. Er hat noch nicht vergessen, aus Fehlern zu lernen.”
Don lachte auf. “Vielleicht hilft er mir, meinen zu finden – damit ich deinem Vater wieder in die Augen sehen kann...”
Judy küsste Don zart. “Du wirst sehen, nachher lag es gar nicht an Dir”, versuchte sie ihn aufzumuntern.
Don strahlte sie an. Der Kuss war fast Aufmunterung genung. Er stand auf. “Okay!”, rief er und klatschte in die Hände. “Dann leg ich mal die LogAufzeichnungen auf den Sichtschirm – und du schickst mir Will, ja?”
Judith lächelte. “Ja, mein Held.” Sie nahm das Glas von der Konsole und schlenderte –betont mit dem Hintern wackelnd - von der Ops. Hinter ihr lachte Don auf.
Ich liebe ihren Humor! Und für einen Moment war alles wieder gut.

Dienstag, 16. Juni 2009

Der Zinnmann

Das hat unser Halbaffe sehr gut hinbekommen.” Zachary sah durch das kleine, mandelförmige Fenster seines Gefängnisses. Penelope zuckte mit den Schultern. Sie war nach dem Abendessen zu Dr. Smith hineingeschlichen, um ihm die Neuigkeiten des Tages weiterzugeben.
“Ich sollte ihm eine Lektion erteilen.”
Alamiert sah Penny den Doktor an.
“Was schwebt Dir vor?”, fragte sie ruhig.
“Ich weiß nicht genau – etwas schmerzhaftes, wenn möglich.”
Penny setzte sich hinter den Doktor. Behutsam begann sie seine verkrampften Schultern zu massieren und überlegte, wie sie es am schnellsten schaffen würde, ihn zu besänftigen.
“Zack?”, fragte sie.
“Was?”
“Du vergisst nicht, das wir ihn brauchen?”
“Kommt jetzt der Teil, in dem du deinen Charme spielen läßt?”
“Mein Doc, du weißt doch, weshalb er so ist wie er ist?”
“Sag es mir noch mals, Püppchen!” Zachary schloss seine Augen. “Ich höre den Grund so gerne.”
Penelope schmunzelte. “Laut Judith”– begann sie übrigens nicht zum ersten Mal zu erklären – “ist Don in einer sehr agressiven Stimmung aufgewachsen. Er hat nie gelernt, mit Konflikten umzugehen.” Penny strich mit den Fingern Zacharys Schläfen entlang. “Auf unbekannte Situationen reagiert er mit Ärger, teilweise auch mit Gewalt.”
“Vermutlich können wir froh sein, das ER noch nicht Amok gelaufen ist”, flakste Dr. Smith. “Ein Mann ohne Verstand.”
“Er kann ebensowenig aus seiner Haut wie Du.” Penny hatte es kaum ausgesprochen ,da wußte sie, dass sie einen Fehler begannen hatte. Sie biss sich auf die Lippen.
“So wie ich?”, fragte Zachary mit zitternder Stimme nach. “Das glaubst Du von mir?”
Nur keine Panik!, dachte Penelope.
“Ich denke nicht, daß du ein Mensch ohne Verstand bist – ganz im Gegenteil zu Don setzt du ihn gnadenlos ein.” Sie nahm seine Hand. “Aber Du vergißt dabei, auf dein Herz zu hören.”
Dr. Smith sah gedankenverloren durch Penny durch. Er befeuchtete seine Lippen und flüsterte: “ Du hast recht. Ich kann halt nicht aus meiner Haut.” Er suchte den Augenkontakt mit ihr.
“Aber ich versuche es, oder?” Er griff nach Pennys Arm und hielt ihn fest umklammert. “Und du bleibst doch an meiner Seite und hilfst mir?”
Penelope nickte. “Und du machst schnellere Fortschritte als Blawp die Farbe wechselt.”

Er sah sie verdutzt an, dann umarmte er sie. Seinen Kopf an ihrer Brust liess er sich von ihrer Wärme trösten. Blawp tat es ihnen nach. Mit einem Sprung war sie bei ihnen und umhakte Penelope und den Doktor.
“Feines Mädchen, liebes Mädchen....”, gurrte sie und ihre Haut färbte sich dunkel nach den Menschen, die sie umarmte.
“Muss das Vieh mich umarmen?”, murrte der Doktor.
“Es ist gut, Zack”, sprach Penny beruhigend auf ihn ein. “Hier ist niemand, der sich über dich amüsieren würde.” Sie drückte ihn näher an sich. “Du mußt kein Theater spielen.”
“Muss ich nicht?”
“M –m.”
Die Jupiter schlingerte durch einen Sternenschauer, durch die West sie nach der Kurskorrektur steuerte und sie hielten einander einfach nur fest. Einen Augenblick weiter, das leise Säuseln des Antriebs in der Luft, begann Penny zu kichern.
“Was tust Du da, Zack?”
“Meine Arbeit”, sagte der Doktor. “Nur meine Arbeit.”

Samstag, 13. Juni 2009

Falsche Abzweigung

Es gab Vorteile bei der Nachtschicht in der Kartographie. Angenehme Lichtdimmung, Ruhe und Entspannung. Eigentlich ein Wellnessort, wenn denn nicht diese monotone Computerstimme wäre. Penlope fletzte sich auf ihrem Sitz und schloss die Augen. Konnte nicht schaden, ein wenig wegzudösen. Don tat das andauernt.

.... Scannung .... keine Identifizierung .... suchen .... Objekt erfasst .... Scannung .... Objekt bekannt ....

Penelope fuhr hoch.

.... erstelle Ereignissdiagramm .... Sternbildung bekannt ....

“Koordinaten vergleichen!” Vor Pennys Augen entstand ein Bild aus Licht und pulsierenden Punkten, als sich ihre Sternenkarte über die letzten Flugkoordinaten legte. Das Blut rauschte ihr in den Ohren, als die Computerstimme erklärte:

.... Objekt erfasst zu SZ B610071208 ....

Penelopes Hand suchte den Com-Button an ihre Arbeitskonsole und beobachtet, wie in einem Würfel aus Sternenkonstellationen die Jupiterflugbahn durch einen Lichtstrahl angezeigt wurde.
Ungläubig starrte Penny auf die Abbildung, dann getätigte sie den Rufknopf.
“West?”
Ein undefinierbares Knurren kam zurück, dann ein aufstöhnen. Er musste eingeschlafen sein. “Was?”, klang es schliesslich müde und verärgert.
“Don, du solltest schnellstens zu mir runterkommen!”

Aufgeregtes Stimmengewirr empfing Major West. Maureen Robinson und ihr Mann John standen diskutierend vor den primären Steuerungselementen, welche der Robotor zu Beginn der Mission fast zerstört hatte. Davor kniete Will und stocherte mit fachmännischem Gesichtsausdruck in einem geöffneten Speicheralkoven herum. Will Robinsons Geschick war es zu verdanken, dass die astrologischen Messvorrichtungen überhaupt wieder funktionierte.
“Da ist nichts”, sagte er grade, als West auf sie zukam, und schloss die Speicherkammer. “Das kann doch nicht sein!”, stöhnte John auf.
“Was kann nicht sein?”, frage West. Ohne Judy hatte er wieder mal des Gefühl, nicht in diese Gruppe hineinzugehören. Doch er tröstete sich mit dem Gedanken, das ihr Gefangener Dr. Smith noch viel mehr Schwierigkeiten damit haben würde, sich anzupassen.
Penelope löste sich von der Sternenkarte und sah ihn an. Don zuckte vor ihrem Blick zurück. “Was´n los?”
“Mann am Steuer, das ist los”, antwortete Penny kühl.
“Lass das. Penny”, warnte Maureen sie.
Fragend sah Don den Schiffskapitän John Robinson an. “Sie sind vom Kurs abgekommen, Major”, erklärte der dem Piloten. “Wir fliegen bereits zum zweiten Mal an einer von Penny katalogisierten Sternenkonstellationen vorbei.”
“Scheiße!”, fluchte West spontan. “Wie kann das angehen?”
“Das hätten wir gerne von dir gewußt, Don”, erwiederte John Robinson. Er war nicht wütend. Es war schlimmer. In seiner Stimme erklang Endtäuschung.
West schluckte. “Ich muss das Routenlog prüfen, danach weiß ich eine Antwort”, sagte er und verließ fluchtartig die Kartographie.

Samstag, 6. Juni 2009

Der Weg nach Kansas


.....primäre Systeme ausfahren .... starten .... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung .... keine Identifizierung .... starten .... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung .... keine Identifizierung .... starten .... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung ---

Eine kleine Hand mit blauem Fingernagellack knallte auf den Voicerecorder des Kartographen. “Lass mich raten!”, rief Penny aus, “Keine Identifizierung?”

---keine Identifizierung .... starten .... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung .... keine Identifizierung .... starten .... suchen---
“Arg!!!”
“Penny!” Professor Maureen Robinson erschien im Eingang der Sternenkartographie. “Du mußt ein wenig mehr Geduld aufbringen!”
Penny sah ihre Mutter mit weit aufgerissenen Augen an. “Du hast recht, Mum.”, sagte sie schließlich und wirkte zerknirscht. Sie wischte sich müde über die Augen. Hinter ihr murmelte die Stimme weiter:

suchen .... Objekt erfassen .... scannung .... keine Identifizierung .... starten....

“Mum?”
Maureen sah ihrer Tochter in die Augen und lächelte nachsichtig. “Ja, Schatz?”
“ICH HASSE DIESE STIMME!”

.... Objekt erfassen .... scannung .... keine Identifizierung ....

Maureen trat einen Schritt zurück. “Und du meinst, es hilft, mich anzuschreien?”
Penny schniefte. “Es hat ganz gut getan.”
Ihre Mutter stemmte die Hände in die Hüfte. “Das kann aber keine Entschuldigung für diesen kindischen Ausbruch sein, Penny.”

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“Manchmal heiligt der Zweck die Mittel.”
“Das ist nicht sehr wissenschaftlich”, warf Maureen ein.
Penny sah ihre Mutter an. “Nein, das ist es nicht. Und das will ich nicht.”
Ihre Mutter starrte sie an. “Was meinst Du?”

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“Ich rede von dem, was ich hier mache, Tag für Tag.” Sie deutete in den halbdunklen Raum hinein. “Dies hier ist mein Ort. Ich habe mir den aber nicht ausgesucht. Das wart ihr. Du und Dad.”

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Maureen seufzte. “Penny, das haben wir so oft besprochen....”
“Nein, haben wir nicht”, unterbrach Penny ihre Mutter. “Du und Dad, ihr habt mich überstimmt, nichts weiter.”
Maureen atmete tief ein, um sich Muttergluckengerecht aufzuplustern. “Dein Dad und ich sind die dienstältesten Offiziere auf diesem Schiff und wenn wir beide der Meinung – “
“Ja, ich weiss”, unterbrach Penelope ihre Mutter. “Ihr seit die Weltverbesserer und ich eine egoistische Weltraumschlampe, die nur auf ihren nächsten Rave wartet.”
Einen Moment schwiegen sich die Frauen an.

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Penny drehte sich von ihrer Mutter weg und blickte auf die stellare Darstellung der momentanen Messung. Eine unendliche Schwärze voll funkelnder Sterne und wenigen Planeten – und keiner hatte einen Wegweiser drauf, auf dem stand: Hier lang nach Alpha Prime.
“Ich bin dieses Jobs überdrüssig. Ich bin des ganzen Schiffes überdrüssig”, murmelte sie vor sich hin. Sie spürte ihrer Mutter Hand auf der Schulter und musste den Reflex unterdrücken, sie abzuschütteln.
“Manchmal geht es uns allen so”, versuchte ihre Mutter sie zu trösten.
“Erzähl nichts”, wandte Penny ein. “Du bist doch Supermom.” Überrascht hörte sie ihre Mutter kichern. Sie sah sie an und lächelte schief.
“Naja”, sagte Maureen. “Damit hast Du mir wenigsten den Tag gerettet. So war das eigentlich nicht gedacht.” Sie nahm ihre Tochter in den Arm. “Ich wollte Dich eigentlich aufmuntern.”
“Du bist wohl etwas aus der Übung, Supermom.”
Maureen lachte auf und wuschelte ihrer Tochter durchs Haar. “Mach nicht mehr zu lange, Schatz.”
“Neinnein”, brummte Penelope. “Ich wollte wirklich bald aufhören –

.... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung ..

“ – will sowieso nicht nach Hause.” Sie spürte, wie ihre Augen sich mit Tränen füllten und blinzelte. Eine Zähre löste sich und begann, ihre Wange hinunterzulaufen. Einen schönen Moment lang gab sie sich ihrem Selbstmitleid hin.

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Sie roch seinen Duft, noch bevor sie spürte, dass er hinter ihr stand. Es war etwas unvergleichliches an ihm.

.... keine Identifizierung .... suchen .... Objekt erfasst ....

Sein Zeigefinger strich ihr die Träne aus dem Gesicht. “Mein fleissiges Mädchen.”
“Ich hasse diesen Job.”
“Das war nicht zu überhören.” Er legte den Arm um Penelope und küsste ihre Schläfe.
“Was machst Du hier draussen?”, flüsterte sie.
“Dich trösten.”
Penny lächelte zögernd. “Beim Lügen erwischt, Doc.”
Dr. Smith schmunzelte. “Ja!”, gab er zu. “Ich hab mich nur rausgeschlichen und wollte sehen, ob ich Dich nicht in meine Höhle locken kann.”
“Du willst mit mir schlafen”, stellte Penny fest.
“Nein.” Doktor Smith glitt mit seinem Finger ihren Hals entlang. “Ich wollte Dich durchvögeln, bis Du Deine Stimme verlierst.”
Penny prustete los. Dr. Smith ignorierte das. “Aber da das die übrigen Mitreisenden mitkriegen würden, werde ich Dich vorher knebeln

.... Scannung .... keine Identifizierung .... suchen .... Objekt erfasst ....

Penelope strich über die Konsole des Kartographen und löschte die Abbildung.

“Na, dann los.”