Dienstag, 30. Juni 2009

Abgehauen

“Smith ist weg!”

Erschrocken sprangen Maureen Robinson und ihre Tochter Penny auf. Sie hatten vor dem Schiff Bodenproben eingesammelt.

“Was heißt ihr weg, Major?”, fragte Maureen irritiert nach.

Penelope beschloss, lieber den Mund zu halten und trank einen Schluck aus ihrem Wasservorrat. Es war heiß auf dem Planeten – die Klimatischen Verhältnisse schienen an einem späten Sommernachmittag stehengeblieben.

Major West zuckte mit den Schultern. “Wie ich es sage! Ich war grad in seinem Quartier und – es war leer!”

“Wie hat er die Schleuse aufbrechen können?”, fragte Maureen.

“Hat er nicht”, erklärte West. “Die Codierung war unbeschädigt. Nur – der Doktor ist fort!”

Beunruhigt griff Maureen nach ihrem Phaser. “Großartig!” Sie sah sich um, als erwarte sie, der Doktor würde aus dem Gebüsch springen.

Zugegeben, dachte Penny, das letzte Mal, als er flüchtete, hatte er sich in eine Riesenspinne mit Weltherrschaftsphantasien verwandelt! Wider ihrem Gefühl musste Penny grinsen.

Verwundert betrachtete Maureen ihre Tochter. “Penny?”

“Was?”, tat Penelope gleichgültig.

“Warum grinst Du? Weißt Du was über das Verschwinden des Doktors?” Erschrocken zog sie ihre Waffe. “Wo ist Will eigentlich?”

“Beruhigen Sie sich, Professor.”, erklang Dr. Smiths Stimme. West zog impulsiv seinen Phaser und sah erschrocken hoch. Über ihnen, auf dem letzten Hüllenvorsprung der Jupiter, stand Zachary Smith, sein T-Shirt nachlässig über die Schulter geworfen und schmunzelte zu ihnen hinunter. “Glauben Sie, ich entferne mich allzu weit von der Futterstelle?”

Penelopes fing an zu lachen und bekam einen Stubser von ihrer Mutter.

“Was zum Teufel machen Sie da, Smitty?”

“Nach was sieht denn aus, Donny?” Der Doktor strich sich über die blasse Brust. “Ich versuche, etwas Farbe zu bekommen.”

Maureen biss sich auf die Lippen, aber Penny begann, offen zu giggeln.

Dr. Smith zog obligatorisch eine Augenbraue hoch. “Hör auf zu kichern, Püppchen!”

“Ich kichere nicht-“ , warf Penelope ein. “Ich kichere nie!”

West deutete mit seiner Waffe auf Dr. Smith. “Für Sie hat es sich ausgekichert, Smith! Kommen sie da runter...”

Maureen seufzte. “Meine Güte, Major. Jeder Gefangene hat ein Recht auf Hofgang.”

West nickte. “Genau, Professor! Die Betonung liegt auf HOFgang!” Er warf einen raschen Blick auf Penelope.

“Und da ihre Tochter den Mistkerl anscheinend rausgelassen hat, darf sie ihn ins Arboretum bringen!”

Von oben her kam ein Aufzeufzen. “Natürlich, Major.”

Wieder angezogen, rutschte der Doktor den Schiffsrumpf hinunter. Don ignorierend, sprach er Maureen an: “Ich kann die Aufregung über mein Verschwinden verstehen, wenn man die vorherigen Ereignisse berücksichtigt, doch als Arzt – und Dr. Judith Robinson wird dies bestätigen – weiss ich um die Vorzüge des natürlichen Sonnenlichtes.” Er zupfte sein T-Shirt zurecht und besah kritisch seine Fingernägel. “Glauben Sie mir, Professor – sie möchten zu dem jetzigen, psychopathischen Arzt nicht noch einen, der zusätzlich depressiv ist!”

West trat näher. “War das etwa eine Drohung, Smith?”

Dr. Smith blies ein imaginäres Staubkorn von seinen Nagelmöndchen.

“Nein, Major. Ein gutgemeinter Rat von einem Mediziner zum anderen.” Ohne noch einmal seinen Blick zu heben, ging er ins Schiff. Penelope, die nicht wußte, was sie darauf sagen sollte, lief schweigend hinterher.



In der Kühle des Schiffes stoppte Zachary und drehte sich nach seinem Püppchen um.

“Na, wie hab ich das gemacht?”

Penny zog die Schultern hoch. “Etwas dick aufgetragen.”

Der Doktor schmunzelte. “Das ist leider nötig, um so einfache Gemüter, wie die des Majors zu erreichen.”

Penelope lächelte. “Komm,” ,sagte sie, “ lass uns das Arboretum bewundern.”

“Unser neuer Treffpunkt.” , sinnierte Zachary laut. “Und das ganz legal!”

1 Kommentar:

  1. Immer wieder schön zu lesen...is eine meiner Lieblings Stories...lol...wie cool und lässig sich Smith gibt, so der Hammer! Und diese imaginären Staubkörnchen, die er von den Halbmonden seiner Nägel pustet...hach... genial, von vorne bis hinten...*kussi*

    AntwortenLöschen