Samstag, 6. Juni 2009

Der Weg nach Kansas


.....primäre Systeme ausfahren .... starten .... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung .... keine Identifizierung .... starten .... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung .... keine Identifizierung .... starten .... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung ---

Eine kleine Hand mit blauem Fingernagellack knallte auf den Voicerecorder des Kartographen. “Lass mich raten!”, rief Penny aus, “Keine Identifizierung?”

---keine Identifizierung .... starten .... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung .... keine Identifizierung .... starten .... suchen---
“Arg!!!”
“Penny!” Professor Maureen Robinson erschien im Eingang der Sternenkartographie. “Du mußt ein wenig mehr Geduld aufbringen!”
Penny sah ihre Mutter mit weit aufgerissenen Augen an. “Du hast recht, Mum.”, sagte sie schließlich und wirkte zerknirscht. Sie wischte sich müde über die Augen. Hinter ihr murmelte die Stimme weiter:

suchen .... Objekt erfassen .... scannung .... keine Identifizierung .... starten....

“Mum?”
Maureen sah ihrer Tochter in die Augen und lächelte nachsichtig. “Ja, Schatz?”
“ICH HASSE DIESE STIMME!”

.... Objekt erfassen .... scannung .... keine Identifizierung ....

Maureen trat einen Schritt zurück. “Und du meinst, es hilft, mich anzuschreien?”
Penny schniefte. “Es hat ganz gut getan.”
Ihre Mutter stemmte die Hände in die Hüfte. “Das kann aber keine Entschuldigung für diesen kindischen Ausbruch sein, Penny.”

.... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung ....

“Manchmal heiligt der Zweck die Mittel.”
“Das ist nicht sehr wissenschaftlich”, warf Maureen ein.
Penny sah ihre Mutter an. “Nein, das ist es nicht. Und das will ich nicht.”
Ihre Mutter starrte sie an. “Was meinst Du?”

.... starten .... suchen .... Objekt---

“Ich rede von dem, was ich hier mache, Tag für Tag.” Sie deutete in den halbdunklen Raum hinein. “Dies hier ist mein Ort. Ich habe mir den aber nicht ausgesucht. Das wart ihr. Du und Dad.”

.... scannung .... keine Identifizierung .... starten ....

Maureen seufzte. “Penny, das haben wir so oft besprochen....”
“Nein, haben wir nicht”, unterbrach Penny ihre Mutter. “Du und Dad, ihr habt mich überstimmt, nichts weiter.”
Maureen atmete tief ein, um sich Muttergluckengerecht aufzuplustern. “Dein Dad und ich sind die dienstältesten Offiziere auf diesem Schiff und wenn wir beide der Meinung – “
“Ja, ich weiss”, unterbrach Penelope ihre Mutter. “Ihr seit die Weltverbesserer und ich eine egoistische Weltraumschlampe, die nur auf ihren nächsten Rave wartet.”
Einen Moment schwiegen sich die Frauen an.

.... starten .... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung ....

Penny drehte sich von ihrer Mutter weg und blickte auf die stellare Darstellung der momentanen Messung. Eine unendliche Schwärze voll funkelnder Sterne und wenigen Planeten – und keiner hatte einen Wegweiser drauf, auf dem stand: Hier lang nach Alpha Prime.
“Ich bin dieses Jobs überdrüssig. Ich bin des ganzen Schiffes überdrüssig”, murmelte sie vor sich hin. Sie spürte ihrer Mutter Hand auf der Schulter und musste den Reflex unterdrücken, sie abzuschütteln.
“Manchmal geht es uns allen so”, versuchte ihre Mutter sie zu trösten.
“Erzähl nichts”, wandte Penny ein. “Du bist doch Supermom.” Überrascht hörte sie ihre Mutter kichern. Sie sah sie an und lächelte schief.
“Naja”, sagte Maureen. “Damit hast Du mir wenigsten den Tag gerettet. So war das eigentlich nicht gedacht.” Sie nahm ihre Tochter in den Arm. “Ich wollte Dich eigentlich aufmuntern.”
“Du bist wohl etwas aus der Übung, Supermom.”
Maureen lachte auf und wuschelte ihrer Tochter durchs Haar. “Mach nicht mehr zu lange, Schatz.”
“Neinnein”, brummte Penelope. “Ich wollte wirklich bald aufhören –

.... suchen .... Objekt erfaßt .... scannung ..

“ – will sowieso nicht nach Hause.” Sie spürte, wie ihre Augen sich mit Tränen füllten und blinzelte. Eine Zähre löste sich und begann, ihre Wange hinunterzulaufen. Einen schönen Moment lang gab sie sich ihrem Selbstmitleid hin.

....scannung .... keine Identifizierung .... suchen ....

Sie roch seinen Duft, noch bevor sie spürte, dass er hinter ihr stand. Es war etwas unvergleichliches an ihm.

.... keine Identifizierung .... suchen .... Objekt erfasst ....

Sein Zeigefinger strich ihr die Träne aus dem Gesicht. “Mein fleissiges Mädchen.”
“Ich hasse diesen Job.”
“Das war nicht zu überhören.” Er legte den Arm um Penelope und küsste ihre Schläfe.
“Was machst Du hier draussen?”, flüsterte sie.
“Dich trösten.”
Penny lächelte zögernd. “Beim Lügen erwischt, Doc.”
Dr. Smith schmunzelte. “Ja!”, gab er zu. “Ich hab mich nur rausgeschlichen und wollte sehen, ob ich Dich nicht in meine Höhle locken kann.”
“Du willst mit mir schlafen”, stellte Penny fest.
“Nein.” Doktor Smith glitt mit seinem Finger ihren Hals entlang. “Ich wollte Dich durchvögeln, bis Du Deine Stimme verlierst.”
Penny prustete los. Dr. Smith ignorierte das. “Aber da das die übrigen Mitreisenden mitkriegen würden, werde ich Dich vorher knebeln

.... Scannung .... keine Identifizierung .... suchen .... Objekt erfasst ....

Penelope strich über die Konsole des Kartographen und löschte die Abbildung.

“Na, dann los.”




Kommentare:

  1. Oh wie geil!! Von Anfang bis Ende, bin begeistert! Der Dialog zwischen Penny und ihrer Mum ist phantastisch! Ich hatte grade so´n bissie den Eindruck, ich fetz mich mich meiner Mutter... Penny scheint wirklich ihrer Jugend beraubt...
    und ich muss sagne, mein Puls beschleunigte sich, als sie dann plötzlich ihren Doc roch...oh mein Gott...was eine Dynamik zwischen den beiden, was ein unglaublicher Dialog! So sexy !

    AntwortenLöschen
  2. Huii... so viel Lob ... kaum auszuhalten... Danke Dir! *schmatz*

    AntwortenLöschen
  3. Jaha...hihi...bild dir was drauf ein, kannste dir leisten! ;-)

    AntwortenLöschen