Dienstag, 16. Juni 2009

Der Zinnmann

Das hat unser Halbaffe sehr gut hinbekommen.” Zachary sah durch das kleine, mandelförmige Fenster seines Gefängnisses. Penelope zuckte mit den Schultern. Sie war nach dem Abendessen zu Dr. Smith hineingeschlichen, um ihm die Neuigkeiten des Tages weiterzugeben.
“Ich sollte ihm eine Lektion erteilen.”
Alamiert sah Penny den Doktor an.
“Was schwebt Dir vor?”, fragte sie ruhig.
“Ich weiß nicht genau – etwas schmerzhaftes, wenn möglich.”
Penny setzte sich hinter den Doktor. Behutsam begann sie seine verkrampften Schultern zu massieren und überlegte, wie sie es am schnellsten schaffen würde, ihn zu besänftigen.
“Zack?”, fragte sie.
“Was?”
“Du vergisst nicht, das wir ihn brauchen?”
“Kommt jetzt der Teil, in dem du deinen Charme spielen läßt?”
“Mein Doc, du weißt doch, weshalb er so ist wie er ist?”
“Sag es mir noch mals, Püppchen!” Zachary schloss seine Augen. “Ich höre den Grund so gerne.”
Penelope schmunzelte. “Laut Judith”– begann sie übrigens nicht zum ersten Mal zu erklären – “ist Don in einer sehr agressiven Stimmung aufgewachsen. Er hat nie gelernt, mit Konflikten umzugehen.” Penny strich mit den Fingern Zacharys Schläfen entlang. “Auf unbekannte Situationen reagiert er mit Ärger, teilweise auch mit Gewalt.”
“Vermutlich können wir froh sein, das ER noch nicht Amok gelaufen ist”, flakste Dr. Smith. “Ein Mann ohne Verstand.”
“Er kann ebensowenig aus seiner Haut wie Du.” Penny hatte es kaum ausgesprochen ,da wußte sie, dass sie einen Fehler begannen hatte. Sie biss sich auf die Lippen.
“So wie ich?”, fragte Zachary mit zitternder Stimme nach. “Das glaubst Du von mir?”
Nur keine Panik!, dachte Penelope.
“Ich denke nicht, daß du ein Mensch ohne Verstand bist – ganz im Gegenteil zu Don setzt du ihn gnadenlos ein.” Sie nahm seine Hand. “Aber Du vergißt dabei, auf dein Herz zu hören.”
Dr. Smith sah gedankenverloren durch Penny durch. Er befeuchtete seine Lippen und flüsterte: “ Du hast recht. Ich kann halt nicht aus meiner Haut.” Er suchte den Augenkontakt mit ihr.
“Aber ich versuche es, oder?” Er griff nach Pennys Arm und hielt ihn fest umklammert. “Und du bleibst doch an meiner Seite und hilfst mir?”
Penelope nickte. “Und du machst schnellere Fortschritte als Blawp die Farbe wechselt.”

Er sah sie verdutzt an, dann umarmte er sie. Seinen Kopf an ihrer Brust liess er sich von ihrer Wärme trösten. Blawp tat es ihnen nach. Mit einem Sprung war sie bei ihnen und umhakte Penelope und den Doktor.
“Feines Mädchen, liebes Mädchen....”, gurrte sie und ihre Haut färbte sich dunkel nach den Menschen, die sie umarmte.
“Muss das Vieh mich umarmen?”, murrte der Doktor.
“Es ist gut, Zack”, sprach Penny beruhigend auf ihn ein. “Hier ist niemand, der sich über dich amüsieren würde.” Sie drückte ihn näher an sich. “Du mußt kein Theater spielen.”
“Muss ich nicht?”
“M –m.”
Die Jupiter schlingerte durch einen Sternenschauer, durch die West sie nach der Kurskorrektur steuerte und sie hielten einander einfach nur fest. Einen Augenblick weiter, das leise Säuseln des Antriebs in der Luft, begann Penny zu kichern.
“Was tust Du da, Zack?”
“Meine Arbeit”, sagte der Doktor. “Nur meine Arbeit.”

Kommentare:

  1. Oooooohh...ich liebe diese ruhigen Momente zwischen den beiden, ich liebe es, daß ich beide fallen lassen können...auch wenn einer der beiden nur schlecht aus seiner Haut kann, aber es zumindest ab und an versucht...die ganze Situation bringt mich ein eine rischtisch schöne romantische Stimmung...
    *drück*

    AntwortenLöschen
  2. Danke ... ich muss mich mal selber loben. Beim lesen der Zeilen hab ich ein ganz warmes Gefühl im Bauch...
    Warum gibt es solche Situationen nur nicht in der Realität`???

    AntwortenLöschen