Freitag, 19. Juni 2009

Die Vogelscheuche

Bin ich denn zu dämlich, um ein Raumschiff zu steuern? Dieser Gedanke ging nicht aus seinem Kopf. Don ging es wirklich über den Verstand. Seine Kampfeinsätze kamen wieder hoch, das jahrelange Flugtraining, die Akademie... Wie sollten diese Erfahrungen ihnen etwas nützen, wenn er es nicht mal schaffte, auf Kurs zu bleiben?
“Hey, Don!”
Major West zuckte über seine Logeintragungen zusammen. Judith hatte die Brücke betreten. Wie immer hielt sie ein leeres Wasserglas in den Händen – ihr Running Gag, der nach all der Zeit bestehen geblieben war. Nicht, das sie es sich noch leisten konnten, sich mit Wasser zu “erfrischen”! Doch der Gedanke an diese spezielle Nacht rang dem Major sogar jetzt noch ein Lächeln ab.
Judith trat näher und stellte das Glas neben ihm auf die Konsole ab.
“Erzähl mir, was passiert ist.”
Don schüttelte müde den Kopf. “Ich habe die Aufzeichnungen tausendmal durchgesehen, doch ich kann den Fehler nicht finden! Irgendwo zwischen Sternzeit B608070000 und B610071208 gab es eine minimale Kurzänderung, die schlußendlich dazu geführt hat, das wir siebzehn Stunden im Kreis geflogen sind – soweit man das in All so nennen kann.” Er schwieg betreten. Es war beschämend, sich vor der Frau, die man liebt, einen Fehler einzugestehen – doch es war besser, als Johns müdes Gesicht vor sich zu sehen.
Don sah Judy an und fragte sie direkt: “Ob dein Vater mir noch vertrauen wird?”
Judith zog die Augenbrauen hoch. “Glaubst Du, wegen eines Fehlers zweifelt er an Deiner Kompetens? Dann müßte er als erstes den Dienstgrad abgegen.” Sie lächelte aufmunternd und kraulte West den Nacken. “Soll ich Dir nicht Will hochschicken? Er giert danach, zu helfen.”
Don wollte verneinen, doch dann zögerte er. “Dein Bruder wird mir diesen Fehler wohl am wenigsten ankreiden, oder?”
“Er ist ein Kind – smart, aber dennoch ein kleiner Junge. Er hat noch nicht vergessen, aus Fehlern zu lernen.”
Don lachte auf. “Vielleicht hilft er mir, meinen zu finden – damit ich deinem Vater wieder in die Augen sehen kann...”
Judy küsste Don zart. “Du wirst sehen, nachher lag es gar nicht an Dir”, versuchte sie ihn aufzumuntern.
Don strahlte sie an. Der Kuss war fast Aufmunterung genung. Er stand auf. “Okay!”, rief er und klatschte in die Hände. “Dann leg ich mal die LogAufzeichnungen auf den Sichtschirm – und du schickst mir Will, ja?”
Judith lächelte. “Ja, mein Held.” Sie nahm das Glas von der Konsole und schlenderte –betont mit dem Hintern wackelnd - von der Ops. Hinter ihr lachte Don auf.
Ich liebe ihren Humor! Und für einen Moment war alles wieder gut.

Kommentare:

  1. Macht unheimlichen Spaß zu lesen, so lebendig!
    Ich find den Satz : Er hat noch nicht vergessen, aus Fehlern zu lernen
    Unheimlich klasse...es ist so wahr!
    Kussiii

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  2. Ja, Kinder sind uns da weit vorraus.

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